Dritte Woche auf dem Rad

Über Flüsse und Brücken

Grenoble – Saint Romans – Valence – Les Tourrettes – Pont Saint Esprit (Lac Bleu) – Avignon – Nîmes

Wie begann diese Woche? Mit einer hammer Abfahrt zwischen Grenoble und Saint Romans. Unser Gastgeber über Warmshowers (Couchsurfing für Radreisende) hatte uns empfohlen, den längeren Weg über die Berge statt am Fluss entlang zu nehmen. Und wir haben es nicht bereut! Obwohl wir massiv miesen Muskelkater hatten, von unserer Wandertour am Pausentag. Unser Eindruck, dass es so etwas wie einen Pausentag in Grenoble nicht gibt, hatte sich damit bestätigt. Die Gegend ist so krass sportlich, dass wir damit nicht durchgekommen wären. Bergabfahrt mit enger Schlucht also. Mit vielen Autos, doch ausnahmsweise haben sie uns nicht gestört. Vielleicht, weil wir mal ähnlich schnell waren wie sie. Und weil man nur gute Laune haben konnte, bei so einer James-Bond-mäßigen Straße.

Mittagspause an der Rhône

Und dann wurde das Klima immer südlicher. Sarah und Clara mussten mit ihren dünnen Schlafsäcken nicht mehr frieren, Selma beim Baden in Seen und Flüssen nicht mehr laut zittern. Kein Nass und Matsch mehr vor und im Zelt. Dafür manifestierte sich eine neue Bedrohung mit aller Brutalität: MÜCKEN. Unser schönster Schlafort bekam von Selma die schlechteste Bewertung in unserem Ranking. Sie versuchte wirklich, den See, an dem wir nächtigten, zu genießen, aber es ging nicht. Um uns Mückensummen, hinter uns zappelnde Fische, die ein zwölfjähriger Angler im Minutentakt ins Gebüsch warf, dann ein aggressiver Hund, der hin- und hersprintend unser Klopapier fraß und Hummer aus dem See auf unsere Klamotten verteilte. Die Schwester des Anglers performte währenddessen tanzend französische Chansons. Der Angler war mutiger als wir und warf die Hummer für uns zurück und hielt den Hund davon ab, andere anzuspringen- Kinder sind halt mega!

Schlafort in Saint Romans
Ausblick vom Schlafplatz in Lac Saint Esprit

Das stellten wir auch bei den Warmshowers- Erlebnissen dieser Woche fest. In Valence durften wir bei einer fünfköpfigen Familie übernachten, wo uns die Kinder direkt adoptierten. Uns wurden alle Pflanzen und Stofftiere namentlich vorgestellt, wir hatten in der ältesten Tochter unser persönliches Navi zum Supermarkt und konnten allen unsere Route auf einem Globus zeigen. Dazu eine Matratze und eine fremde Küche zum Entdecken, in der Selma ihre lange gehegten Sommerrollenträume verwirklichen konnte.

Sommerrollen in Valence

In Avignon lag unsere Warmshowers- Übernachtung mittig in der Altstadt und uns wurde veganes Essen gekocht! Es ist für uns erstaunlich, wie selbstverständlich Menschen uns Fremde in ihre Wohnung einladen und uns behandeln wie ihre eigenen Gäste. In Avignon noch ein bisschen Sightseeing und das erste Eis der Tour. Sarah machte mit unserem im Kirchhof trocknend Zelt ein Nickerchen, während Clara mit Selma deren neues Handy abholte, über ein französisches Ebay Kleinanzeigen. Sie hat ihres diese Woche verloren, großes Ärgernis. Wir hoffen, das Neue taugt etwas.

Glückliche Radlerinnen in Avignon

Jetzt machen wir einen Pausentag, diesmal wirklich, in Nîmes. Und nehmen eine Couchecke mit unseren zwölf Taschen und fünf Baguettes ein. Nimm fünf für drei, wir im Schnäppchenjagdmodus. Rentnerinnen schauen uns verwirrt an, wir breiten uns weiter aus und anektieren den nächsten Tisch. In einer Woche werden wir schon auf einem anderen Kontinent sein. Das wird dann voraussichtlich unser einziger plötzlicher Kulturwechsel. Vielleicht werden wir dann realisieren, dass das unser Lebensstil für ein halbes Jahr ist, denn bis dato ist diese Info nicht ganz angekommen. Aber während unserer 48-stündigen Fährenfahrt haben wir ja genug Zeit, uns auf das Kommende einzustellen- die ersten Couchsurfing-Zusagen in Marokko haben wir schon 🙂

Unser Video zu dieser Woche:


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