Fünfte Woche auf dem Rad

Zwischen Sandpisten, Strandvillen und Großstadtlärm

Tanger – Assilah – Moulay Bousselham – Kénitra – Rabat – Bouznika – Casablanca

Wir sitzen auf einem Bett in einem Haus im Norden von Casablanca. Die Wohnung gehört einer Gastgeberin über Couchsurfing. Bisher hatten wir noch nicht viel mit ihr zu tun, wir kamen gerade an und erstmal duschen. Denn mittlerweile fühlen wir uns enorm schmutzig und alle Klamotten stinken vor Schweiß. In dieser Woche hatten wir erstmals Probleme, regelmäßig zu duschen und Wäsche zu waschen, denn Flüsse und Seen gibt es entlang der Küste nicht so häufig und das Meer ist salzig. Eine Mischung aus Sonnencreme, Salz, Sand und Dreck auf unserer Haut. Was wir wohl für Spuren hinterlassen, an den Orten, die wir passieren? Bei der ersten Familie in Tanger sind es rote Flecken in der Badewanne von einer Henna-Haarfärbeaktion. Bei Sarah sieht es natürlich rot aus, bei Clara ist der Unterschied einigermaßen gering, Selma ist nun ein Pumuckel. Der erste Blick in den Spiegel ein Schock.

Das erste Mal Füße im Atlantik

Direkt nach Tanger waren wir bei einem älteren Ehepaar, Fouzia aus Marokko, Claude aus Frankreich. Sie waren auf der gleichen Fähre wie wir und boten uns eine Übernachtung bei sich an. In ihrer neuen Wohnung. So sauber und frisch. So leckere vegane, marokkanische Pfannkuchen, die sie für uns backten. Wir finden Freude an unserer Außenposition, in der man zuweilen zu Beobachterinnen wird. Zumindest waren Fouzia und Claude Unterhaltungskünstler. Fouzia hatte ihren Ehemann fest im Griff und bestimmte über alles. Wir wagten es auch nicht, ihr zu widersprechen und ließen uns behandeln „wie ihre eigenen Töchter“. Also wieder famoses Essen, frische Wäsche aus der Waschmaschine, ein Stadtspaziergang durch die schöne Altstadt Assilahs, voller Genuss der Bemutterung.

Fouzia zeigt uns, wie man marokkanischen Tee serviert

Kilometertechnisch haben wir unseren französischen 50 km- Rhythmus nun verlassen. Diese Woche machten wir mal 40 km, mal 100, mal 90. Doch die Zahl sagt nicht so viel über das persönliche Empfinden aus. Die hundert Kilometer waren trotz erstem Platten sehr leicht, denn wir trafen unterwegs auf drei radelnde Franzosen mit gleichem Tagesziel. So hängten wir uns in ihren Windschatten und stellten fest, dass 33 km/h plötzlich easy machbar für uns waren. Wir konnten Radel- und Reisetipps austauschen und die neuen Begleiter gaben uns neue Energie. Traurig war nur, sie wieder verabschieden zu müssen.

Fahrradpflege und Zelt trocknen

Wildcamping in Marokko ist auch schwieriger. Die Wälder sind licht und die Polizei viel unterwegs. Doch wir finden dank „iOverlander“, einer App mit Reiseratschlägen, einige gute Plätze. Oder wir fragen halt unschuldige Spaziergänger, um dann in Rabat (der Hauptstadt Marokkos) am Strand zu landen. Dort fühlten wir uns am unsichersten. Denn wir verstanden die Absichten der Menschen nicht, die wir dort sahen. Wir kennen uns hier nicht aus und können deshalb vieles nicht einordnen. Manche Männer gingen sicheren Schrittes im Dunkeln in eine Höhle unter Felsen neben uns, um dort nach 20 Minuten wieder herauszukommen. Ein anderer legte sich immer wieder über einen Felsen und schaute nach unten. Wieder ein anderer hockte sich hinter einen Stein, fünfzehn Meter von uns entfernt und blieb dort für eine halbe Stunde. Im Allgemeinen haben wir den Eindruck, dass in Marokko mehr Menschen draußen an zusammenhangslosen Orten unterwegs sind. Zwischen einer Autobahn und einer Bundesstraße im Gebüsch würde man in Deutschland wohl niemanden antreffen. Diese Nacht begegneten wir auf so einem Landstrich uniformierte Männer beim Spazieren, junge Wanderfreunde und einen Hirten mit Schafen sowie Kühen. Bisher akzeptieren alle unsere Anwesenheit.

Sonnenuntergang in Rabat

Morgen möchten wir noch mehr von Casablanca, der größten Stadt Marokkos, entdecken. Danach geht es weiter in die Berge, Marrakesch und Agadir warten.

Unser Video zu dieser Woche:


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