Fünfzehnte Woche auf dem Rad

Plötzlich Dorfkinder

Fatick – Keur Maba – Farafenni – Wassu – Sambel Kunda

360° Blick auf die gambische Savanne. Und dabei ein schattiges Plätzchen unter einem gefliesten Pavillon mit Tisch und Stühlen. In 300 m Entfernung fliegen weiße Vogelschwärme in den Himmel und zurück in die Bäume. Auf dem Weg zu dem Touristenunterkunftsort hier in Sambel Kunda haben wir mehrere Kuhherden durchkreuzt und wurden zum Glück nicht von ihren Hörnern aufgespießt – auch wenn Clara sich Sorgen machte. Selma machte sich hingegen Sorgen, als wir auf dem Weg mit unseren drei Fahrrädern in einem Boot den Fluss „Gambia“ überquerten. Aber nun sind wir hier und genießen die Aussicht auf die großen, kahlen Baobab-Bäume. Alles in bester Ordnung. Seit Freitag Abend sind wir in Gambia, dem kleinsten Land auf dem afrikanischen Festland, es ist etwa halb so groß wie Hessen. Wir sind also zum ersten Mal in einem Land mit Englisch als Amtssprache. Dafür ist Wolof wie im Senegal als Nationalsprache weit verbreitet und wir können unser Smalltalkvokabular weiterverwenden.

Baobab-Bäume

Der Grenzübergang nach Gambia war bisher unser angenehmster Länderwechsel. Wir brauchten kein Visum und holten uns fix den Ausreisestempel vom Senegal, um dann in Gambia kurz für den Einreisestempel anzustehen. Niemand belaberte uns, um Sim-Karten zu verkaufen oder Geld zu wechseln. In Farafenni, der Stadt hinter der Grenze, hoben wir gambisches Geld ab und erlebten unsere erste Überraschung: man konnte nur circa 90 € auf einmal abheben, da der größte Schein 2,30 € wert ist und man so schon bei kleineren Beträgen riesige Geldstapel in der Hand hält. Dafür ist man nicht der immerwährenden Schwierigkeit ausgesetzt, seine großen Geldscheine loszuwerden. Wir konnten auch schon das Motiv des 50 Dalasis Scheins besichtigen: die Unesco-Weltkulturerbestätte in Wassu. Hier wurden hohe Steine in Kreisen errichtet, die als Gräber dienten. Einer dieser Steinkreise gilt als spiritueller Ort, da begabte Menschen dort ein Licht sehen konnten. Die Museumsangestellten waren so freundlich, uns auf der Stätte campen zu lassen. Mit Nachtwächter inklusive fühlten wir uns sehr sicher.

Auf nach Gambia!
Unesco Weltkulturerbestätte

Wir freuten uns sehr, im Senegal noch ein weiteres, von der ASW unterstützte Projekt besucht haben zu können. Die Partnerorganisation heißt APAF (Association pour la Promotion de l’Agroforesterie et de la Foresterie – Organisation für die Förderung der Agroforstwissenschaft und Forstwirtschaft) und ist in mehreren westafrikanischen Ländern tätig, um Menschen bei nachhaltiger Landwirtschaft zu unterstützen. Auf Anbaufeldern werden Bäume gepflanzt, um den Boden fruchtbarer zu machen, das lokale Klima zu verbessern, das Gemüse vor Wind zu schützen, um verschiedene Sorten anbauen zu können und um die Arbeit von Frauen zu erleichtern: Normalerweise müssen sie weit laufen, um Feuerholz zu sammeln. Nun können sie dieses direkt auf dem Feld sammeln.

Anbau von Salat, Tomate, Zwiebeln etc

Die ASW legt besonders Wert auf die Unterstützung von Frauen. Deshalb bestand das Projekt daraus, Frauen aus den Dörfern als Gemüsebäuerinnen auszubilden. Wir durften zwei Frauengruppen um Keur Maba auf ihren Feldern besuchen und unterhielten uns mit ihnen. Wir freuten uns, wie zufrieden sie mit ihrer Arbeit waren. Zuvor arbeiteten sie als Hausfrauen und kauften Essen in anderen Dörfern. Nun können sie ihre Gemeinschaft unterstützen und haben eigenes Wissen. Vor allem ihrem Ausbilder Yankhouba waren sie sehr dankbar, bei dem wir während unserer Zeit in Keur Maba wohnen durften und der in seiner Arbeit voll aufging. Er zeigte uns auch seinen eigenen Garten, in dem er den Anbau verschiedener Pflanzen unter verschiedenen Umständen testete. Gelungene Experimente wenden dann auch die Frauen auf den größeren Anbaufeldern an.

Yankhouba in seinem Garten

In seinem Zuhause fühlten wir uns sehr wohl. Mit seiner Frau und seiner Tochter lebt er in einer Hofgemeinschaft mit einigen Nachbarn. Sie teilen sich Toilette und Dusche und einen Hof mit einem großen Baum, um den die einzelnen Häuser stehen. Der Schatten des Baumes, seine herzliche Frau Fatou und die entspannte Dorfatmosphäre verleiteten uns dazu, zwei Nächte länger als geplant bei ihnen zu bleiben. Wir fragten uns zuerst, ob wir ihre Gastfreundschaft zu sehr strapazierten, dann sagte uns Fatou, wir könnten auch bis zum nächsten Monat bleiben, wenn wir wollten. Vermutlich hätte sie uns den gesamten Dezember mit Reis, Gemüse und Nudeln durchgefüttert. Wir versuchten uns auch einmal daran, deutsche Bratkartoffeln für sie zu kochen.

Der Mangobaum im Hof
Bratkartoffeln in Produktion

Mit Süßkartoffeln und mehr Schärfe als gewöhnlicher Weise, sodass sie gut ankamen. Schon nach vier Nächten kannten viele Menschen in dem Dorf unsere Namen und wir hatten unsere Lieblingsbäckerei und unseren Lieblingsmelonenverkäufer ausgemacht. Wir waren traurig, zu fahren. Auch Fatou bat uns, länger zu bleiben. Was uns ein bisschen wunderte, denn wir sprachen keine gemeinsame Sprache und wir taten nicht mehr, als in ihrem Hof zu chillen oder Wäsche zu waschen, in einem ihrer Zimmer zu schlafen und ihr Essen zu essen. Vielleicht teilt sie gerne und versorgt gerne drei müde Reisende.

Fatou und wir

Nächste Woche werden wir zu unserem gebuchten Airbnb an der Küste fahren, wo wir über Weihnachten eineinhalb Wochen bleiben wollen. Und bekommen Besuch aus Deutschland. Über diesen Plan haben wir schon sehr lange geredet, weshalb es erstaunlich ist, dass das jetzt tatsächlich passiert. Wir können es kaum erwarten!


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