Sechzehnte Woche auf dem Rad

Besuch aus Deutschland, Auszeit in Gambia

Sambel Kunda – Mandinaba – Ghana Town

Es schien, als hätten die letzten Tage uns zu diesem Moment geführt. Als würden Erwartungen, die schon länger nur in unseren Gedanken existierten, endlich Relität:  Unsere erste feste Unterkunft für längere Zeit ohne Gastgeber, ein weißes, ummauertes Airbnb. Mit Ofen, Waschmaschine, W-LAN und Fernseher. Im Bewusstsein dieses baldigen Luxus trugen wir eine Woche die gleichen Hemden und ranzten ordentlich durch. Die Hose an mehreren Stellen gerissen, und der Körper länger keine Dusche gesehen. Denn man wusste, bald kommt eine Waschmaschine, eine Dusche und die Zeit zum Nähen. Eine Zeit, um alle Fahrradtaschen gründlich zu reinigen und die Fahrräder zu putzen. Wir waren sowas von bereit.

Erste Amtshandlung: Grundreinigung
Erste Amtshandlung: Grundreinigung

Wir kamen dennoch mit gemischten Gefühlen an. Ist es doch ein Gegenentwurf zu unserer bisherigen Reisemanier. Wir sind in einer Feriensiedlung und bekommen von Gambia wenig mit. Wir hätten auch bei einem Gambier wohnen können, doch das war uns zu viel, da wir uns verpflichtet gefühlt hätten, Dinge mit ihm zu unternehmen. Wir hoffen, uns trotzdem noch mit ihm zu treffen. Der ganze Platz hier kommt uns verschwenderisch vor – drei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und zwei Bäder. Und die weißen Wände lassen Charakter vermissen, sind sie doch ganz anders als unsere letzten Schlafplätze im Freien. Egal. Wir genießen unsere Zeit mit ausgiebigen Frühstücks und feiern den Luxus, sich in ein Handtuch einwickeln zu können (Wir haben keine dabei) und selbst zu kochen (Soßen ohne Fisch-/ Fleischgeschmack!).

Adventsfrühstück mit Kranz, Lebkuchen und Pfannkuchen:)
Max (unser Besuch) und wir begeistert vom nicht weit entfernten Strand

Dafür haben wir vor unserer Ankunft hier einige tolle Begegnungen gehabt. Als wir an einem Wasserhahn in einem Dorf unsere Flaschen füllten, lud uns Alasana mit großer Begeisterung zu sich nach Hause zum Reis essen ein. „Ruht euch kurz aus! Ihr habt eine lange Reise hinter Euch, meine Frau macht euch Reis“ rief er immer wieder. Er wohnte auch direkt nebenan mit seiner Großfamilie. Mehrere Häuser um einen großen Hof mit einem Baum mit großen Wurzeln, auf den sich seine Mutter setzte, nachdem sie darauf bestand, dass wir uns auf ihrem Stuhl niederließen. Zwei Mädchen aus der Familie flochten uns die Haare und wir waren von ihrem Talent sehr beeindruckt.

Die erste Amtshandlung der Frau von Alasana war es, Sarah ihren jüngsten Sohn Mala auf den Schoß zu setzen. Der war vollkommen gechillt und Sarahs Uterus fing an zu leuchten. Den Namen Mala für ein Kind wollte sie sich unbedingt merken. Es folgten Selfiesessions im dunklen Innenraum mit Blitz, sodass wir auf den Fotos Geister auf Drogen verkörperten. Wir hatten viel zu lachen. Die Familie meinte, wir sollten doch auch über Nacht bleiben, doch wir schlugen das Angebot aus, denn wir wollten noch ein Video fertig schneiden und ihre Gastfreundschaft nicht überstrapazieren.

Hier ein paar Beispiele der Schnappschüsse:

Wir waren froh, überhaupt bei ihnen angekommen zu sein, denn an diesem Tag hatten wir bis zur Mittagspause nur 10 km auf dem Tacho. Das Restaurant, in dem wir uns nur Essen mitnehmen wollten, machte für uns extra früher auf und dann kam eines zum anderen. Wir bestellten erstmal Tee, dann Snacks, dann fragte uns die Restaurantbesitzerin, die aus Manchester kam, ob sie uns für ihren Instagram-Account interviewen kann. Wir waren vollkommen d’accord und fügen uns jetzt in die Schlange an Menschen ein, die auf ihrem Kanal über ihre Reiseerfahrungen berichten. Dann kam ihre Schwester und wir unterhielten uns über alles mögliche, bestellten noch ein Mittagessen und fühlten uns gesättigt genug, um weiterzufahren.

Eiscafé und Zitronengrastee im Moto Café Guava in Bantabut Kantora

Es sind diese zufälligen Begegnungen, herzliche Menschen, die uns Vertrauen in die Welt schenken und die Bestärkung, dass es besser und wahrer ist, mit einem positiven Menschenbild umherzufahren. Zufällige Begegnungen, die sich zu so viel mehr entwickeln. Manchmal werden wir misstrauisch und anderen Menschen gegenüber abweisend, wenn wir oft gefragt werden, ob wir verheiratet sind oder nach Geld gefragt werden. Oft wollen sich Menschen aber auch einfach nur unterhalten.

Wir hoffen, auf dieser Reise weitere solche Begegnungen machen zu dürfen. Jetzt genießen wir aber erstmal in vollen Zügen unsere Weihnachtspause und tanken Kraft für die nächsten Monate. Danke an dieser Stelle auch an Euch, die Ihr diesen Blog immer so fleißig lest und uns auf unserem Abenteuer begleitet. Wir wünschen Euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Frohe Weihnachten von uns drei Mäusen aus Gambia:)


2 Antworten zu „Sechzehnte Woche auf dem Rad“

  1. Avatar von Julia
    Julia

    Wir wünschen euch eine schöne uns entspannte Weihnachtszeit und danke, dass wir euch begleiten dürfen. Es ist immer das Highlight der Woche, euren Bericht zu lesen!

  2. Avatar von Astrid und Jürgen Hirsch
    Astrid und Jürgen Hirsch

    Liebe Selma, liebe Sarah,

    euch beiden und eurer Freundin Clara wünschen wir fröhliche Weihnachtstage und ein gutes neues Jahr. Wir lesen immer eure tollen Reiseberichte und sind froh, dass ihr bis jetzt gesund und wohlbehalten soweit gekommen seit. Eure Schutzengel haben bis jetzt einen super Job gemacht und wir hoffen, dass es für den Rest euer Reise so bleibt.
    Liebe Grüße aus der Heimat
    Astrid und Jürgen

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