Zusammen losfahren, zusammen ankommen

Ghana Town – Karongue – Hinter Bignona – Ferme Agroécologique Karamba – Kolda

Manchmal ist es verrückt, daran zu denken, dass überall auf der Welt gleichzeitig Menschen sind, die mit so vielen verschiedenen Dingen beschäftigt sind. Für uns wirkt es sehr fern, die Bilder des deutschen Schnees zu sehen und die Berichte über kalte Wege im eisigen Wind. Während wir uns hier einen abschwitzen und sogar Wasser zur abendlichen Ganzkörperdusche im Gebüsch mitnehmen. Die Klamotten hängen wir über Bäumen aus und trotzdem sieht man die Schweißflecken am nächsten Tag noch. Doch wir wollen uns nicht beschweren – es fühlt sich gut an, nach unserer Weihnachtspause wieder unterwegs zu sein. Die verbrachten wir in Serrekunda, Gambia sehr entspannt. Wir waren alle ein wenig am Kränkeln, weshalb wir viel Zeit in unserem Airbnb mit kochen und wenig anstrengenden Dingen verbrachten. Wir haben ein neues altes Hobby entdeckt: Schatzsuchen zu erfinden und durchzuführen. Ich merkte dabei, dass es ratsam ist, sich genau zu merken, wo man den Schatz versteckt hat. Trotzdem wurden alle fleißigen Sucher*innen glücklich.

Auf dem Markt in Serrekunda

An Weihnachten bereiteten wir das deutscheste Essen überhaupt zu: Semmelknödel mit Rotkohl und Seitan und wurden von Max, unserem Besuch aus Deutschland, mit einer großen Bescherung überrascht. Er hatte aus Deutschland Briefe und Geschenke von unseren Familien mitgebracht, wodurch bei uns ein heimelig weihnachtliches Gefühl trotz der Hitze und der Fremde entstand. Gut, unsere Familien hatten die Überraschung vorher ein bisschen verpatzt, indem sie nach unseren Weihnachtswünschen fragten oder ankündigten, dass uns bald der Weihnachtsmann besuchen kommt. Dafür hatten wir so die Freude beim Auspacken plus die Vorfreude.

Weihnachtsessen

Die Abfahrt aus Gambia war dann etwas holprig. Max war noch krank und so überlegten wir immer, wann wir wohin fahren können, buchten ein anderes Airbnb, das wir dann doch früher wieder verließen und dann auch getrennt. Clara und ich fuhren schon mal vor Richtung Kolda, während Sarah und Max noch ein paar Tage in Gambia bleiben wollten. Dann ging es Max doch besser und sie nahmen einen Tag nach uns die Verfolgung auf. Wir änderten daraufhin unsere Route und trafen uns in Ziguinchor. Auf dem Weg dorthin merkte wiederum Sarah, dass ihre Lymphknoten anschwollen, weshalb wir jetzt (wieder zu dritt!) mit dem Bus nach Kolda fahren.

Unsere Räder werden auf den Bus geladen
Farm nahe Ziguinchor

Vor der Busfahrt überlegten wir, ob wir schummeln. Denn bis dato haben wir alle unsere Kilometer in Afrika mit dem Fahrrad zurückgelegt. Leider haben wir keinen Puffer mehr, wenn wir am ersten März in Benin sein wollen, da bleiben uns wenig Wartemöglichkeiten. Gleichzeitig war die Busfahrt fast anstrengender als das Fahrrad fahren. Wir saßen eingequetscht zwischen den anderen Fahrgästen, die sehr entspannt wirkten, Claras Sitznachbarin trug sogar eine Wollmütze, während bei uns alles lief. Gleichzeitig sorgten wir uns um unsere Räder, die ohne unsere Überwachung ganz allein auf dem Dach ihr Dasein fristeten. Im Endeffekt lief alles gut und wir kamen in Kolda bei unserem Couchsurfing-Gastgeber an. Max ist jetzt wieder in Gambia und wird dort heute schon den Rückflug antreten.

Sarah und Clara auf der vordersten Bank im Bus

So ist eigentlich immer etwas in Bewegung, und wir haben in dieser Woche ein bisschen erlebt, wie sich Dynamiken verändern, je nachdem, in welcher Konstellation man unterwegs ist. Nicht im Sinne von besser oder schlechter, sondern einfach anders. Zu zweit fühlt sich manches direkter an: Entscheidungen gehen schneller, Gespräche sind unmittelbarer, sensible Themen lassen sich leichter ansprechen. Vielleicht, weil weniger Stimmen im Raum sind und weniger Reibung entsteht. Gleichzeitig ist diese Wahrnehmung subjektiv und situationsabhängig – sie sagt mehr über den Moment als über uns als Gruppe aus.

Unser Lager bei unserem Couchsurfinggastgeber in Kolda

Denn zu dritt sind wir sehr gut aufeinander abgestimmt. Aufgaben verteilen sich natürlicher, Verantwortung liegt nicht auf zwei Schultern, sondern auf mehreren. Wir können uns mit unseren sozialen Batterien abwechseln, uns gegenseitig auffangen und tragen – ganz praktisch, aber auch emotional. Und selbst banale Dinge wie ein gemeinsames Zelt, geteilte Ausrüstung oder die Wärme in kalten Nächten machen spürbar, dass wir als Gruppe funktionieren. Vielleicht geht es weniger darum, welche Konstellation „einfacher“ ist, sondern darum, aufmerksam zu bleiben für das, was sich verändert – und für das, was bleibt. Dass wir gemeinsam unterwegs sind, uns immer wieder neu sortieren und dabei versuchen, gut miteinander zu sein. Und genau das fühlt sich im Moment richtig an.

Fotoshooting am Strand


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