Koundara – Komba – Labé – Linsan – Conakry

Wir befinden uns an diesem Sonntag wieder in einer Großstadt, in einer Hauptstadt, das heißt wir sind mal wieder von Lärm umgeben. Wir sind in Conakry, Guinea. Die Stadt am Atlantik liegt eigentlich gar nicht auf unserer Route, da wir Guinea-Bissau umfahren haben und von Senegal direkt nach Guinea gefahren sind. Wir befinden uns also mehr im Landesinneren. Auf den Weg nach Conakry haben wir uns trotzdem aus zwei Gründen gemacht: einmal brauchten wir einen Visumssticker in unserem Pass, den man nur am Flughafen in Conakry bekommen kann. Sonst kommt man zwar ins Land rein, aber nicht mehr wieder hinaus. Oder nur, falls man ordentlich Bestechungsgeld zahlt. Zudem haben wir unser erstes Visum in einer Botschaft beantragt. Morgen können wir hoffentlich unser Visum für die Elfenbeinküste abholen.

Conakry bei uns um die Ecke

Bis dahin ruhen wir uns noch gepflegt in unseren Krankenbetten aus. Da unser Couchsurfinghost nicht genug Platz für drei Gäste bei sich Zuhause hat, schlafen wir in seinem Arbeitsort; einem Krankenhaus. Das ist sehr komfortabel, denn es gibt kaum Patient*innen und wir haben ein Bad für uns. Mit krank sein waren wir diese Woche leider noch immer beschäftigt, Sarahs Nasennebenhöhlenentzündung und Erkältung wollten sich nicht von uns verabschieden. Wieder Fahrrad zu fahren war also weiterhin keine Option. Wir dachten unsere Möglichkeiten durch: Taxi fahren, aber das ist schwierig mit den schlechten Straßen, da sorgen wir uns um die Räder. Bus fahren, das wäre billiger, bloß fanden wir gar keinen. Bleiben und abwarten, schwierig ohne Puffer.

Neues Lieblingsgericht: Milchreis mit Wasser statt Milch

Blieb nur eine Lösung: schauen, ob die Lkw-Fahrer, mit denen Sarah zur Grenze getrampt war, uns auf Instagram folgen und sie fragen, ob sie uns nicht noch bis nach Conakry mitnehmen wollen. Wir hatten Glück und wir durften unsere drei Räder hinten bei ihnen einladen und uns selbst auf die Matratze hinter den beiden Autositzen pflanzen. Wir fuhren Dienstag Nachmittag recht überrascht los, denn aufgrund eines Streiks hatten wir nicht mehr damit gerechnet ohne langes Warten loszukommen. Die chinesische Firma, für die die Lkw-Fahrer Fliesen von Dakar nach Conakry transportieren, hatte heimlich Kameras an manche LKWs montiert, woraufhin alle Fahrer sich zusammenschlossen und protestierten. Am Ende waren sie erfolgreich, woran sie von Beginn an nicht zu zweifeln schienen.

Fortbewegungsmittel samt Zeltstangen und Wasserflaschen

Wir also geduckt mit Baguette und Margarine als Proviant unter der oberen Matratze hinter den beiden senegalesischen Fahrern. So konnten wir überraschenderweise nochmal unser Wolof anwenden. Wir stellten fest, dass selbst die LKWs in dem bergigen Guinea mit den schlechten Straßen lange brauchten. Für die 200 km von Labé bis hinter Mamou fuhren wir einen Tag lang, von sieben bis neun Uhr. Da entfuhr selbst unserem Fahrer ein „Dieu merci“ als wir sicher im Zielort ankamen. Und wir unser Zelt wieder auf dem Bürgersteig vor einem Laden aufstellten, schön in voller Öffentlichkeit. Dank unseres neuen Lebensstils haben wir uns diese Woche an bisher ungewohnten Plätzen niedergelassen. Sonst verstecken wir uns möglichst im Gebüsch, mitten in der Stadt zu campen kam uns bis dato nicht in den Sinn. Doch wir sehen, es wäre möglich.

Beim Schlafen gestört

Man kann bloß nicht mehr nackt chillen und muss das Zelt schließen, wenn man nicht beim nackt schlafen beobachtet werden möchte. Bei der Hitze zuletzt ein ziemlicher Downer. Clara schnappte mehrmals verzweifelt den Kopf aus dem Zelt steckend nach Luft. Daraufhin führten wir die Sardinentaktik durch und alle konnten schlafen. Sich in Conakry von unseren Lkw-bros verabschieden zu müssen war hart. Seine Reisegefährten zu verlieren, einfach so. Es war lustig, wie schnell sie unsere Routinen kannten und direkt einen guten Zeltplatz oder eine Toilette für uns sichteten. Dafür schickt uns ein Fahrer jetzt Premium Sprachnachrichten oder rief uns auch gestern mit Video an, nach dem Senegal die Afrikameisterschaft im Fußball gewonnen hatte. Wir konnten nichts verstehen, sondern sahen nur verschwommen eine krasse Fete und Ayoba, über beide Ohren grinsend. Schade, dass wir jetzt nicht mehr im Senegal sind.

Fußball auf dem Bürgersteig

Wir staunten, wie sehr auch in Guinea mitgefiebert wurde und wie geschlossen der Senegal unterstützt wurde. Als das entscheidende Tor fiel, war ich ausgerechnet auf Toilette – aber der Jubel auf der Straße war so laut, dass ohnehin klar war, was passiert sein musste. Denjenigen, die das Spiel nicht gesehen haben, kann ich es wegen vieler denkwürdiger bis überraschenden Wendungen nur empfehlen.

Nächste Woche geht es ab Mamou hoffentlich wieder aufs Rad, dann können wir die guineischen Berge endlich an den eigenen Beinen spüren und uns zielsicher auf die Elfenbeinküste zubewegen.


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