Durch Wälder über holprige Straßen und Berge

Conakry – Mamou – Marella – Sandéniah – Faranah – Borokoro – Saldou

Sonne scheint durch Palmenblätter. Insekten fliegen durch die Luft und Vögel zwitschern und Vögel schreien, oder wie auch immer man ihre tieferen, lauten Klänge nennen mag. Der Wald wird dichter, so dicht, wie wir ihn auf der Reise bisher noch nicht erlebt haben. Denn wir befinden uns in Waldguinea, also in dem südlichen Zipfel des Landes. Hier ist sogar tropischer Regenwald und es ist einigermaßen hügelig. Der Wald wird jedoch durch die Holzkohlegewinnung, Buschfeuer, Holzwirtschaft und Bergbau gefährdet. Vor allem Buschfeuer sehen wir auf unserer Tour regelmäßig, manchmal brennen sogar unsere Augen davon und rauchiger Dunst hüllt ein ganzes Dorf ein. Wir wissen nicht genau, warum die Landstriche niedergebrannt werden. Landwirtschaft wäre ja am naheliegendsten, aber so ganz erschließt es sich uns nicht.

Feuer von unserem Schlafplatz aus

Gerade sitzen wir am Straßenrand und snacken Ananas, die direkt aus der Umgebung kommt. Avocado haben wir auch wieder gefunden (seit Mauretanien war das nicht mehr möglich), sodass wir auf mehr Abwechslung unserer Ernährung hoffen. Das Essensproblem nervt uns weiter, nervt uns seit Marokko. Das war unser kulinarisches Paradies, aber seitdem sind in Soßen immer Fleisch oder Fisch enthalten und der Geschmack macht Essen zu einer Verpflichtung, statt zu einem Vergnügen. Es gibt Reis mit Soßen aus Erdnuss, Maniok- oder Kartoffelblättern, Zwiebeln oder rotem Palmöl. Die andere Option besteht aus Weißbrot mit Bohnen. Man kann auch Spaghetti mit Bohnen oder Reis mit Bohnen kombinieren. Glücklich werden wir, wenn es gekochte Kartoffeln mit Tomaten und Zwiebeln oder Couscous aus Maniok gibt. Als Snacks finden wir frittierte Süßkartoffeln, eine Art Berliner ohne Füllung oder andere frittierte Dinge. Morgens essen wir Baguette mit Margarine oder Schokocreme, den Rest des Tages halten wir uns mit den anderen Dingen über Wasser. Ich persönlich wäre sehr froh, zum Beispiel nur ein Viertel meines Kalorienbedarfs zu haben. Man kann beim Fahrradfahren halt schlecht auf Essen verzichten. Und die Suche kann auch wegen der Kommunikationsprobleme nerven. Wir fragen nach Kartoffeln und es wird angenommen, dass wir diese anpflanzen wollen. Das mit dem vegetarisch ist auch schwer rüberzubringen.

Eines unserer tollsten Essen: Kartoffeln mit Gemüse

Wohl fiel uns auch diese Woche das Essen schwerer, weil wir wieder mit Krankheiten umgehen mussten. Ich, Selma kann das vierte Mal Malaria in meinem Lebenslauf markieren. Trotz sorgfältiger Einnahme der Prophylaxe, man sieht, sie bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Wir hatten immerhin Glück im Unglück. Der Ort im Dorf, wo wir uns Wasser holten und Sarah ihren dritten Platten innerhalb von zwei Tagen flickte, war zufälligerweise ein Krankenhaus. Ich konnte am selben Tag, da wir das Fieber feststellten, dort umsonst einen Malariatest machen und Medikamente bekommen. Das medizinische Personal war sehr nett und wir durften in einem Raum zelten, sodass es mir am nächsten Tag bereits viel besser ging. Man merkte auch wieder, wie wenig dramatisch Malaria hier im Vergleich zu Deutschland aufgenommen wird. Anstatt mir den positiven Ausgang des Tests mitzuteilen, diskutierten die Ärzte erstmal mit mir, welche fiebersenkenden Mittel ich einnehmen sollte. Erst auf Nachfrage erfuhr ich, dass ich Malaria habe.

Ich machte zuerst das Radfahren und die Sonne dafür verantwortlich, dass es mir schlecht ging. Denn wir sind nach längerer Pause direkt 100 km gefahren über schlechte Straßen und Berge hinweg. Auf dem Weg sahen wir verschiedene Infrastruktur- oder Industrieprojekte, die von China unterstützt werden: Eine Eisenbahnlinie, Straßenbau und Gesteinsabbau. Wir haben auch den Eindruck, hier einen größeren Wirbel in den Dörfern, durch die wir fahren, zu verursachen. Gefühlt ruft jedes Kind des Dorfes: „Weiße, Weiße!“ Wir winken daraufhin zurück oder grüßen.

Nachts in der Zollstation in Mamou

Heute Abend schaute uns eine gute Weile eine Gruppe aus 15 Kindern zu, wie wir neben der Straße zum campen auf unserer Zeltplane saßen und unseren Tätigkeiten nachgingen. Unser Alltag ist für sie anscheinend sehr spannend: Reis kochen, Tagebuch schreiben, Zelt aufbauen und so weiter. Wir fühlten uns ein bisschen wie Zootiere. Irgendwann wollten sie zum Glück doch nach Hause. Es ist in den Bergen abends auch sehr kalt und im Dorf wartete warmes Essen auf sie. Unser kleiner Topf reichte nicht für die Truppe. Das ist auch einer unser häufigsten Momente, in denen wir Kompromisse eingehen müssen. Entweder wir suchen länger nach einem ruhigen Schlafort, wo uns niemand sieht und man entspannt agiert oder wir priorisieren andere Eigenschaften eines guten Platzes: ein schnelles Auffinden desselben, Trockenheit, kein hohes Graß. Drinnen ungestört essen oder draußen unter Blicken. Manchmal braucht es Zeit, Lösungen zu finden, mit denen alle glücklich sind und manchmal nervt genau das: die andauernde Suche und das Aushandeln.

Nächste Woche werden wir Guinea verlassen und in die Elfenbeinküste eingaloppieren. Ein Land, auf das wir uns schon länger freuen, da uns von unseren Radlerfreunden schon über leckere Avocados berichtet wurde.

Sicht von der Straße aus


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